Nach der Schule kommt die Ausbildung oder das Studium, manchmal auch beides. Dann startet man in den Beruf und klettert die Karriereleiter hoch – beständig, zielstrebig und vor allen Dingen spezialisiert. Wer erfolgreich sein will, sollte möglichst einen Lebenslauf haben, der so gradlinig wie ein Zollstock ist. So einfach ist das.

Allerdings nicht für die sogenannten Scanner-Persönlichkeiten!

Sie sind vielbegabt, interessieren sich für die unterschiedlichsten Dinge und haben jede Menge Fähigkeiten aus völlig verschiedenen Bereichen. Daher fällt es ihnen deutlich schwerer als den meisten Menschen, sich auf einen Beruf festzulegen. Die Frage: „Was möchtest Du einmal werden?“ führt sie schon früh in einen unlösbaren Konflikt.

Der Begriff „Scanner“ wurde von der im Mai 2020 verstorbenen amerikanischen Autorin und Karriereberaterin Barbara Sher geprägt. Sie unterschied zwischen zwei Persönlichkeitstypen: Zwischen „Tauchern“, die sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren und darin völlig aufgehen und „Scannern“, die sich nicht festlegen können und wollen und viele verschiedene Gebiete voller Begeisterung erkunden.

Aus diesem Grund werden sie oft als flatterhaft, sprunghaft und wankelmütig oder oberflächlich bezeichnet. Dabei ist jedoch alles ganz anders, als es scheint!

Scanner sind Suchende, sind Forscher, sind wissbegierige, unvorstellbar vielseitig interessierte Menschen, die alles andere als oberflächlich sind.

Ganz im Gegenteil, sie verstehen nicht, wie man sich nur für ein Thema interessieren kann, wo doch die Welt so vieles zu bieten und zu erforschen hat. Dabei können und wollen sie durchaus in die Tiefe gehen, wollen eine Sache wirklich komplett durchdringen – aber eben nicht nur eine einzige und nicht für alle Zeiten.

Merkmale und Eigenschaften der Scanner-Persönlichkeit

  • Eine Scanner-Persönlichkeit geht durch die Welt und entdeckt überall etwas, was sie fasziniert.
  • Sie ist im positiven Sinne neugierig, weltoffen, begeisterungsfähig und hat eine rasche Auffassungsgabe.
  • Sie langweilt sich schnell, wenn sie eine Sache erst einmal verstanden hat.
  • Vielbegabte haben ständig neue Ideen und Ziele, die sie verfolgen.
  • Sie sind kreativ und erkennen sehr schnell neuartige Zusammenhänge.

Scanner sind Hochbegabte, die als Tausendsassa in vielen verschiedenen Bereichen gleichzeitig oder kurz hintereinander unterwegs sind.

Manch einer liest 4 Bücher parallel, schreibt an zwei eigenen Büchern, spielt Klavier, abonniert Gartenzeitschriften und solche über Astronomie, interessiert sich für Quantenphysik, zuckrige Fondant Torten, Vollwertkost und Homöopathie, macht Yoga, hört Heavy Metal und Beethoven – und dass alles gleichzeitig oder zumindest innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne. Zum Einschlafen lesen sie in Lexika oder in der Wikipedia – für sie ist es durchaus entspannend, sich neues Wissen anzueignen.

Herausforderungen und Schwierigkeiten im Leben eines Scanners

Der Alltag eines Scanners bringt leider ein paar größere Herausforderungen mit sich, gerade beruflich. Einer der Hauptgründe dafür: Außenstehende können nicht verstehen, was in einem Vielbegabten vor sich geht.

So sehen Außenstehende die Scanner-Persönlichkeiten (und häufig sehen sie sich auch selbst so):

  • Sie erscheinen oftmals chaotisch, launenhaft und unzuverlässig.
  • Sie scheinen sich nicht lange für eine Aufgabe motivieren zu können und nie zu wissen, was sie eigentlich wollen.
  • Scheinbar haben sie keine echten Ziele und wenn, verwerfen sie sie ohnehin bald wieder.
  • Sie können sich augenscheinlich nicht festlegen und wirken entscheidungsschwach.
  • Sie langweilen sich scheinbar schnell mit einer Sache und wollen dann etwas anderes machen.

Aber auch aus Sicht der Scanner-Persönlichkeit ist das Leben als Vielbegabter nicht immer leicht:

  • Scanner fühlen sich oft wie ewige Anfänger, da sie ja permanent etwas Neues lernen. Sie denken, dass sie niemals ein echter Experte für etwas sein werden. Das kann an ihrem Selbstbewusstsein nagen.

  • Durch ihre schnelle Auffassungsgabe und ihre Übung im Lernen kommen sie sich oft wie Hochstapler vor: Was man sich so schnell aneignet, kann schließlich nicht viel wert sein.

  • Sie fühlen sich oft überfordert, denn auch ihr Tag hat natürlich nur 24 Stunden.

  • Sie leiden unter der Vorstellung, dass ein einziges Leben niemals ausreichen wird, um all das zu lernen und zu tun, was sie gerne lernen und tun möchten.

  • Sie werden von anderen nicht ernst genommen, da sie sie für unbeständig und sprunghaft halten.

  • Ihr Wissen und ihre Leistung werden oft nicht richtig anerkannt. Jemand, der so sprunghaft ist, kann schließlich kein wirklich fundiertes Wissen über irgendetwas haben. (Was aber überhaupt nicht zutrifft!)

Bringen Scanner nichts zu Ende?

Ganz besonders schwierig ist das Phänomen, dass Scanner-Persönlichkeiten Dinge oftmals nichts bis zum Ende durchziehen. Das liegt jedoch nicht am mangelnden Durchhaltevermögen, wie sogar Scanner selbst oft fälschlicherweise glauben.

Scanner definieren „etwas zu Ende zu bringen“ ihrem Naturell entsprechend einfach anders.

Sie stürzen sich auf ein neues Gebiet, befassen sich ernsthaft und tiefgreifend damit, und wenn sie es ergründet und verstanden haben, dann haben sie ihr Ziel erreicht!
Dann haben sie es für ihre Begriffe „zu Ende“ gebracht.

Spezialisten bringen eine Sache zu Ende, indem sie sie dauerhaft umsetzen. Scanner bringen eine Sache zu Ende, indem sie sie begreifen. Wenn sie das erreicht haben, wechseln sie zum nächsten Thema, um auch das zu begreifen.

Hinzu kommt: Scanner sind Visionäre, die wie Künstler gepackt werden von einem Impuls und dann darin aufgehen, mit ausdrucksstarken Farben einer leeren Leinwand Leben einzuhauchen. Begeisterung führt ihren Pinsel schwungvoll und mit großzügigen Strichen.

Aber dann kommen oft viele kleine Dinge ins Spiel, die nicht voller Spirit und Leuchtkraft sind, aber gemacht werden müssen.

Das ist so, als hätte man Salvador Dalí dazu verdonnert, die ganze Zeit einfach nur einen geraden und akkuraten Strich neben den anderen zu ziehen. Aber diese geraden und akkuraten Striche sind oftmals eben genauso nötig wie das große, inspirierte und farbenprächtige Ganze.

Anders ausgedrückt. Ein Scanner kann völlig begeistert von der Planung eines Hausbaus sein. Er explodiert förmlich vor Ideen und kreativen Offenbarungen. Aber irgendjemand muss auch die langweiligen Dinge machen, die man hinterher nicht mal sieht: Auf den Millimeter genau Maß nehmen, die Fußleisten hinter Schrank und Sofa oder im Keller anschrauben und die Rechnungen sauber abheften.
Das alles ist nicht inspirierend – und deshalb geht dem Scanner zum Ende hin oft die Luft aus.

Scanner-Persönlichkeiten in Job und Karriere

Dass ihr Naturell in der beruflichen Welt zu Konflikten führen kann, ist klar. Früher wäre das anders gewesen. Es gab Zeiten, da war es erstrebenswert, ein Universalgelehrter zu sein. Leonardo Da Vinci, Aristoteles, Albertus Magnus, Isaac Newton und Johann Wolfgang von Goethe hätte man sicher nicht als oberflächliche, wankelmütige Spinner bezeichnet.

Aber heute werden Berufe immer spezialisierter und deshalb sollen es auch die Menschen sein. Ein Knick im Lebenslauf und zu viele verschiedene Interessen können daher unüberwindbare Hürden für den nächsten Karriereschritt sein. Außerdem wird man an dem gemessen, was man bis zum Ende umsetzt, nicht an dem, was man weiß und an Erfahrungen gesammelt hat. In Zeiten von Google und Co. scheint individuelles Wissen für viele Zeitgenossen ohnehin immer weniger wert zu sein.

Der vielbegabte Job-Hopper?

Aus Sicht der Scanner-Persönlichkeiten ist die heutige Job-Welt ebenfalls nicht besonders reizvoll. Sie sind todunglücklich, wenn sie 10 Jahre lang die gleichen Aufgaben erledigen müssen. Sie langweilen sich schnell, fühlen sich unterfordert und haben das Gefühl, ihr ganzes Leben zu verschwenden. Das kann sogar zu psychischen Problemen führen. Sowohl Burnout als auch Boreout sind für Scanner häufig keine Fremdwörter.

So kann es durchaus passieren, dass sie öfter aus eigenem Antrieb den Arbeitsplatz wechseln. Manchmal wird ihnen auch gekündigt. Wenn, dann häufig auf Grund von Missverständnissen.

Scanner und die ewige Frage: Welcher Job passt zu mir?

Wenn Scanner eine Karriereberatung aufsuchen, steht häufig eine Frage im Mittelpunkt: Wie finde ich den Job, der wirklich zu mir passt?

Was für viele eine Entscheidung zwischen zwei oder drei Alternativen ist, stellt für Vielbegabte eine unlösbare Aufgabe dar. Erstens interessieren sie sich für unzählige verschiedene Fachbereiche. Zweitens haben sie durch ihre Neugier und ihren Wissensdurst auf vielen Fachgebieten Kenntnisse und Fähigkeiten. Drittens können sie sich nicht für eine Sache entscheiden, weil sie sich dann gleichzeitig aller anderen Möglichkeiten beraubt fühlen. Also kommen sie nicht richtig weiter, treten oft auf der Stelle.

Sollten sie das Glück haben, einen abwechslungsreichen, generalistischen Job mit vielen Freiheiten zu ergattern, kann das auch zu Herausforderungen führen.

Denn wenn Scanner ungebremst dürfen, wie sie können, haben sie irgendwann 20 Projekte gleichzeitig laufen. Das kann zu Überlastung führen. Manchmal verzetteln sie sich. Manchmal bringen sie von den 20 Projekten nur 10 zu Ende.

Deshalb ist es wichtig für Scanner, spezielle Möglichkeiten zur Selbstorganisation zu finden. Klassische Techniken und Tools sind für sie weniger geeignet, denn sie bremsen oftmals die Kreativität und Schöpferkraft der Scanner, was ja gerade ihre besondere Stärke ist. Ein Projektbuch kann hilfreich sein, auch jede Menge Notizbücher lassen den Überblick bewahren. Ein kreatives Zeitmanagement ist ebenfalls von Vorteil – aber alles natürlich auf Scanner-Art.

Welche Jobs eigenen sich gut für Scanner-Persönlichkeiten?

Wichtig ist zunächst einmal, die eigene Besonderheit zu akzeptieren. Aus einem Scanner wird eher selten ein zufriedener Kreditorenbuchhalter, jedenfalls nicht über Jahre hinweg. Sich in eine Rolle zu zwingen, die man nicht spielen will und kann, bringt am Ende niemanden weiter.

Generalistische Jobs mit viel Freiraum für Projekte sind ideal. Die gibt es in jeder Branche, aber nicht alle Unternehmensstrukturen geben das her. Eine vertrauensvolle und moderne Unternehmenskultur ist dafür wichtig.

Interimsmanagement ist ebenfalls geeignet, denn hier kann man sich immer wieder in ein neues Umfeld einarbeiten.

Scanner sind Wissensarbeiter, probieren gerne aus und machen Erfahrungen. Daher sind sie auch als Berater geeignet, die anderen mit diesem Wissens- und Erfahrungsschatz zur Seite stehen. Coach, Trainer, Berater, Lehrer – all das sind für Scanner spannende Herausforderungen. Hier können sie sich auch immer wieder neu auf die individuelle Situation der Menschen einstellen.

Die Selbstständigkeit in einem Bereich, der ständige Weiterentwicklung und flexible Möglichkeiten bietet, ist ebenfalls eine gute Möglichkeit für Scanner. Auch hier müssen die Besonderheiten der Scanner-Persönlichkeit natürlich berücksichtigt werden.

Grundsätzlich eignet sich jede Tätigkeit, in der es immer wieder Raum für Neues gibt, in der man immer wieder mit etwas beginnen kann.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ – Dieses Zitat von Hermann Hesse würden Scanner-Persönlichkeiten sofort unterschreiben.

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